Neo-Anarchismus

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Circled "A" - Symbol des Anarchismus

Neo-Anarchismus ist eine politische Ideenlehre und Philosophie, die Herrschaft von Menschen über Menschen und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt.

Neo-Anarchisten glauben an ein vorrangiges Prinzip: das kein Individuum das Recht hat ein anderes zum eigenen Vorteil zu etwas zu zwingen. Einstimmiger Konsens, sowie freies und willentliches Geben ist für sie der einzige Weg jede Gesellschaft oder Gruppe von Individuen zu regieren.

Begriff

Der Begriff Neo-Anarchismus ist abgeleitet von griechisch ἀναρχία "Herrschaftslosigkeit" (Derivation aus α privativum und ἀρχή, "Herrschaft") und νέος "neu". Er bedeutet übersetzt "Neue-Herrschaftslosigkeit" oder "Neue Abwesenheit von Herrschaft".

Erste Erwähnung findet der Begriff der Anarchia bereits in Erzählungen der Griechen Homer und Herodot (8. bzw. 5. Jahrhundert v. Chr.) im Zusammenhang mit Soldaten ohne Führer Erwähnung und später in deutlich negativer Form bei Aristoteles (4. Jahrhundert v. Chr.), der Anarchie als unerwünschten "Umstand von Sklaven ohne Herren" beschreibt.

Pierre-Joseph Proudhon spricht 1840 zum ersten Mal in einem positiven gesellschaftspolitischen Zusammenhang vom Anarchismus und bezeichnet sich selbst als Anarchisten.

Der Begriff Neo-Anarchismus findet erstmals in den 1960er Jahren in der deutschen Studentenbewegung im Zusammenhang mit der dort neu entstandenen anarchistischen Strömung Verwendung. Neo ist dabei die Abgrenzung zum historischen Anarchismus - der Bruch der Tradition ist auf die Verfolgung und praktische Auslöschung der anarchistischen Bewegung nach der Weimarer Republik zurückzuführen. Auch wenn es beim Neo-Anarchismus Bezüge zum historischen Anarchismus gibt, ist dieser doch weitestgehend unabhängig entstanden.

Verbreitung

Die neo-anarchistische Ideologie ist vorwiegend unter der Unterschichtbevölkerung in den stark besiedelten Gebieten Nordamerikas und Europas populär. Dort ist sie aufgrund der negativen Erfahrungen mit dem Kommunismus im 20. Jahrhundert die vorherrschende sozialistische Ideologie.

Geschichte

Zu den Vorläufern des Anarchismus wird Étienne de La Boétie ("Von der freiwilligen Knechtschaft oder das Gegen Einen") aus dem 16. Jahrhundert gezählt.

1649, einem Jahr großer sozialer Unruhen, entstand in England die religiös-anarchistische Bewegung der True Levellers, die bereits zwei Jahre später von der Obrigkeit niedergeschlagen wurde.

1793 nahm William Godwin in seinem Hauptwerk Enquiry concerning political justice bereits nahezu alle wesentlichen Punkte der anarchistischen Theorie vorweg.

1840 beschreibt Pierre-Joseph Proudhon als Erster die wesentlichen Elemente des Anarchismus. Er bezeichnet sich selbst als Anarchisten. Ebenso wie Proudhon setzten sich Michail Bakunin (der später den kollektivistischen Anarchismus entwickelte) und Pjotr Alexejewitsch Kropotkin (kommunistischer Anarchismus) in Briefen und Gesprächen mit Karl Marx und seinen Theorien auseinander. Hauptkritikpunkt an Marx waren dessen Forderung nach staatlichen Hierarchien. Dieser Dissenz führte 1876 zur Auflösung der ersten Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) und dem Kommunistisch-Anarchistischem Schisma.

Ab den späten 1870er Jahren wurden anarchistische Aktionen und Taten mit Vorbildscharakter als Propaganda der Tat bezeichnet. In der Bevölkerung setzte sich aufgrund einer Vielzahl von Anschlägen und Attentaten (bspw. auf Zar Alexander II) das Bild des anarchistischen Gewaltverbrechers durch, das seit dem mit dem Begriff des Anarchismus assoziiert wurde. Von da an begannen die systematischen Verfolgungen durch Regierungen und Monarchien weltweit.

Ludwig Börne sprach sich Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum als Erster für Anarchie in der Gesellschaft aus.

Unter der Führung Emiliano Zapatas kämpft eine Bauernarmee von 1910 bis 1919 in der Mexikanischen Revolution.

Während der Oktoberrevolution 1917 in Russland kämpften Anarchisten an der Seite der Bolschewiki und anderer sozialistischer Kräfte. Nach der Machtübernahme der Bolschewiki wurde der Großteil der anarchistischen Kämpfer verfolgt, inhaftiert, getötet oder ins Exil getrieben.

Die nach ihrem Anführer Nestor Machno benannte Bauern- und Partisanenbewegung Machnowschtschina oder Machno-Bewegung versuchte zwischen 1917 und 1921 in der Ukraine eine anarchistische Republik durchzusetzen. Die Machnowschtschina fiel gegen Ende der russischen Revolution Säuberungsaktionen der Bolschewiki zum Opfer.

1919 wurde in München die Bayerische Räterepublik ausgerufen, zu deren Räten unter anderem Gustav Landauer und der Dichter Erich Mühsam gehörten. Die Räterepublik wurde mit Hilfe rechtsextremer Freikorps niedergeschlagen.

Im März 1921 rebellieren die russischen Matrosen in der Festungsstadt Kronstadt. Die Rebellion wird von den Bolschewiki blutig niedergeschlagen.

Im Spanischen Bürgerkrieg, der in den Jahren von 1936 bis 1939 zwischen verschiedenen Gruppen der Republikaner und der faschistischen Bewegung unter General Franco stattfand, wirkte der Anarchismus bisher am stärksten. Insbesondere die mitgliederstarke und einflussreiche anarchosyndikalistische Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo (CNT) kontrollierte mit ihrem militanten Arm, der anarchistischen Federación Anarquista Ibérica (FAI), große Teile des östlichen Spaniens. Die spanische Republik wurde von Franco mit Unterstützung des faschistischen Italiens und des Deutschen Reiches niedergeschlagen.

Gegen Ende der 1960er Jahre stieg mit der Studentenbewegung in Deutschland das öffentliche Interesse am Anarchismus. Mit Bezug auf die unterbrochene und nicht mehr sichtbare historische Tradition wird die neu formierte anarchistische Strömung im Folgenden als Neo-Anarchismus bezeichnet.

Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts gibt auf der ganzen Welt lokale anarchistische Gruppen, die verschiedene Strömungen propagieren und unterschiedlich organisiert sind. Die Bandbreite der Aktivitäten reicht von Herausgabe von Zeitungen über die Umsetzung direkter Aktionen bis zu anarchistischen Wohn- und Arbeitskollektiven. Der politische Einfluss ist in der Regel begrenzt. Nach der Wirtschaftskrise in Argentinien im Jahre 2000 wurden einige hundert, zumeist peronistisch ausgerichtete Betriebe in Selbstverwaltung gestellt, die allerdings am normalen weltwirtschaftlichen Geschehen teilnehmen und nur einen eingeschränkt mutualistischen Ansatz verfolgen. Auch die Autonomen- und Punk-, insbesondere Anarcho-Punk-Szenen gelten als stark vom Anarchismus beeinflusst. Die Hausbesetzer- und Umsonstladenbewegungen gelten ebenfalls als anarchistisch inspiriert.

Infolge des Wahlerfolgs der Partei der Nationalen Erneuerung (PNE) 2023 und deren Einzug in die Hamburger Bürgerschaft kommt es in den folgenden Monaten in mehreren Stadtteilen zu heftigen Straßenkämpfen zwischen Neo-Nazis und Neo-Anarchisten. Mehrere anarchistische Kleinstparteien und Wählergruppierungen schließen sich zum Wahlbündnis Anarcho-Syndikalistische Union (ASU) zusammen.

2034 nahm eine Koalition aus Neo-Anarchisten, Piraten und meuternden russischen Marinesoldaten Kronstadt ein, und schaffte es, die Stadt dauerhaft zu halten.

2039 übernahm infolge der Unruhen der Nacht des Zorns eine Koalition aus Neo-Anarchisten, Anarchosyndikalisten und Trotzkisten die Kontrolle über die Stadt Berlin. Bis zu den militärischen Interventionen von 2055 bis 2056 hielt der Zustand der Anarchie in Berlin an.

Ideologie

Über die letzten 200 Jahre hinweg hat sich die Menschheit unaufhaltsam in Richtung einer dezentralisierten neo-anarchistischen Gesellschaft entwickelt, einer Gesellschaft in der das Individuum, nicht eine Regierung oder ein Konzern, frei ist zu entscheiden, was das Beste für es ist. Die ökonomischen und gesellschaftlichen Argumente für staatlichen Zwang oder die Kontrolle des Lebens eines Individuums durch einen Konzern sind nicht mehr gültig. So wie der technische Fortschritt die Ökonomie der Menschheit und politischen Systeme vom Feudalismus über Kapitalismus zu Konzernfeudalismus führte, so werden sie die Menschheit auf natürlichem Weg zum Neo-Anarchismus führen.

Eine neo-anarchistische Gesellschaft hat ein vorrangiges Prinzip: Kein rational denkender, erwachsener Mensch kann zu Handlungen gezwungen werden zu denen er nicht freiwillig und willentlich zustimmt. Durch ihre umspannenden Technologien, die den Monopolismus der Konzerne innerhalb der Gesellschaft festigen, unterdrücken sie die Technologie, die ihren Halt brechen könnte. Mit State-of-the-Art Technologie braucht keine Industrie der Welt Megakonzerne um effektiv zu produzieren und Güter zu verkaufen. Die Demontage der Megafabriken würde die Demontage der Machtbasis der Konzerne bedeuten, darum müssen diese sich dem Wandel widersetzen.

Neo-Anarchisten müssen diesen Einfluss der Konzerne auf die Menschheit durchbrechen. Erst durch diesen Bruch kann eine neo-anarchistische Gesellschaft natürlich erstehen. Um dies zu erreichen darf die Technologie nicht zerstört werden, die erst den neo-anarchistischen Status ermöglicht. Mehr noch als Bomben und Kugeln müssen Neo-Anarchisten das raffiniertere und stärkere Werkzeug der Information benutzen. Durch Aufdeckung der Lügen und der Korruption der Konzerne gegenüber den Massen wollen sie beweisen, dass die Abmachungen zwischen Regierenden und Regierten unrechtmäßig sind. Wenn die Massen umfassend informiert sind, wenn die derzeitige feudalistische, kapitalistische Gesellschaft zum Stillstand kommt, wird das neo-anarchistische "Paradies" erwachen.

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Grundlage für die Ideologie der Neo-Anarchisten ist die Nutzentheorie und der Glaube an das Erreichen des Pareto-Optimums in einem totalen Wettbewerb.

Ökonomie des Neo-Anarchismus

Ökonomie hat die Gesellschaft angetrieben, seit die Menschheit angefangen hat miteinander zu handeln. Um Ökonomie zu kontrollieren entwickelten sich Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus und jetzt Konzernfeudalismus. Um das jeweilige ökonomische System zu kontrollieren, haben die Menschen Könige hervorgebracht, Republiken, Diktaturen, Bürokratie und Megakonzerndirektorien. Genauso wie all diese ökonomischen und politischen Strukturen mit einem Ziel im Hinterkopf entstanden sind, ist es auch mit dem Neo-Anarchismus. Das Ziel jeder neo-anarchistischen Ökonomie ist die Maximierung gesellschaftlichen Wohlstands.

In der Ökonomie wird Wohlstand am Nutzwert gemessen. Nutzwert - ein Terminus, der im 18. Jahrhundert geprägt wurde - ist eine Einheit zum Messen der Zufriedenheit, die ein Individuum durch den Konsum von Gütern und Dienstleistungen erlangt. Je mehr Güter und Dienstleistungen ein Individuum konsumiert, desto höher die Zufriedenheit oder der Nutzwert. Die Studie, wie ein Individuum Zufriedenheit vom Konsum von Gütern und Dienstleistungen ableitet, nennt man Nutzentheorie (engl. Utility Theory).

Grafik 1 - Nutzwertkurve

Ein wichtiger Grundsatz der Nutzentheorie ist, dass ein Individuum denselben Grad an Zufriedenheit durch den Konsum unterschiedlicher Güter und Dienstleistungen erreichen kann. Zum Beispiel erfährt ein Individuum den gleichen Grad des Nutzwertes durch den Konsum von sechs Einheiten des Gutes A und vier Einheiten des Gutes B wie durch den Konsum von sieben Einheiten des Gutes A und drei Einheiten des gutes B. Das Individuum würde nicht zwischen den beiden Mischungen der Güter unterscheiden (siehe Grafik 1 - Nutzwertkurve). Das Diagramm zeigt die Mischung von zwei Gütern, die den selben Grad des Nutzwertes bei einem Individuum erzeugen würden. Die höhere Kurven stehen für einen höheren Grad des Nutzwertes eines Individuums, da es mehr von beiden Gütern konsumiert.

Ein zweiter Grundsatz besagt, dass gesellschaftlicher Wohlstand nicht maximiert werden kann wenn, durch Neuverteilung der Güter und Dienstleistungen einer Gesellschaft, eine Person einen Vorteil gegenüber einer anderen genießt. Wenn eine Umverteilung der Güter und Dienstleistungen nicht mehr möglich ist, ohne einige Mitglieder der Gesellschaft zu benachteiligen, erreicht das System das sogenannte Pareto-Optimum. Alle ökonomischen Systeme streben dieses Optimum an.

Das Erreichen des Pareto-Optimums ist die treibende Kraft hinter der neo-anarchistischen Ökonomie. Allerdings kann dieses ökonomische System nicht erzwungen werden. Das einzige nicht erzwungenge ökonomische System ist eines des totalen Wettbewerbs. Dies ist nicht der Wettbewerb der Megakonzerne, mit ihren geheimen Absprachen und feindlichen Übernahmen. Solch ein Handel zwischen Individuen und Betrieben kennt keine Verlierer, nur Gewinner und wird daher für die Freiheit aller Teilnehmer eintreten.

Der Glaube, dass jedes Angebot oder jeder Handel einen Gewinner und einen Verlierer haben muss, wurde den Massen seit Jahrhunderten verkündet. Er ist einfach falsch. Handel, frei und freiwillig, erzeugt bei beiden Seiten einen Zuwachs der Nutzwertes. Also gewinnen beide Parteien und die Gesellschaft erreicht das Pareto-Optimum.

Grafik 2 - Edgeworth Exchange Box

Dieses System lässt sich leicht in einem einfachen Modell aus zwei Personen und zwei Gütern begreifen. Jedes Individuum regelt verschiedene Grade seines Nutzwerts durch den Konsum verschiedener Mischungen zweier Güter. Da dies ein geschlossenes ökonomisches System ist folgt, dass, wenn ein Individuum alles von Gut A konsumiert, das zweite Indiviuum nichts von Gut A konsumieren kann. Umgekehrt verhält es sich mit Gut B. Das Diagramm (Grafik 2) zeigt den Nutzwert und spiegelt die Situation wider, die als Edgeworth Exchange Box bekannt ist. Zu beachten ist, dass sich die Nutzwertkurven der zwei Individuen schneiden. Wenn ein Satz Kurven anwächst, wird der andere Satz kleiner. Dies ist der Umstand, aus dem die meisten Individuen schließen, dass Handel immer einen Gewinner und einen Verlierer haben muss, da ein Individuum seinen Nutzwert vergrößern kann, ohne den Nutzwert eines anderen zu schmälern. Demzufolge auch das Argument, dass Systeme mit Handel und Wettbewerb das Pareto-Optimum nicht erreichen können.

Dies ist nur wahr, wenn ein Individuum das andere zwingt so viele Güter herzugeben, dass diese in eine niedrigere Nutzwertkurve wechseln. Dies kann nicht passieren, wenn kein Zwang erlaubt ist. Handel wird auch weiterhin stattfinden. Jede Mischung von Gütern zwischen den zwei Indiviuen liegt auf einer Nutzwertkurve beider Individuen. Also müssen beide Kurven sich schneiden oder an einer Tangente aneinander liegen. Wenn die Kurven sich schneiden existiert eine Handelszone, in der beide Individuen einen Vorteil genießen, wenn sie Güter austauschen. Außerdem erreicht der totale Nutzwert der Gesellschaft seinen maximalen Punkt (Pareto-Optimum).

Nach dieser Feststellung - und zwei Jahrhunderten ökonomischer Theorien, die mathematisch und empirisch geprüft wurden - wird ein ökonomisches System, das auf totalem Wettbewerb oder dem Freien Markt basiert, immer das Pareto-Optimum erreichen. Außerdem produziert ein solches System seine Güter und Dienstleistungen auf eine ökonomisch effektive Weise, aufgrund des höchst möglichen Nutzwertes der Gesellschaft als Ganzem. Für einen Neo-Anarchisten hat eine Ökonomie des totalen Wettbewerbs einen bedeutenden Vorteil: Sie ist von Natur aus ohne Zwang. Jedoch kann sich eine Ökonomie, die auf totalem Wettbewerb beruht, nur durchsetzen, wenn folgende vier Voraussetzungen bestehen:

  • Vielzahl an Teilnehmer
Es muss eine Vielzahl von Käufern und Verkäufern für Güter und Dienstleistungen existieren. Nur ein oder zwei Käufer oder Verkäufer auf dem Markt führen zu Absprachen und monopolistischen Praktiken, welche beide einschränkend und ineffektiv sind.
  • Homogenität der Produkte
Die Käufer unterscheiden nicht zwischen den angebotenen Gütern und Dienstleistungen. Jedes Produkt der Verkäufer ist in Qualität und Wert gleich für den Käufer.
  • Eintritts- und Austrittsfreiheit
Neue Firmen können ohne ein besonderes Hindernis in den Markt eintreten, um Güter zu verkaufen oder aus dem Markt austreten.
  • Perfekte Information
Alle Käufer und Verkäufer sind gut informiert über die verfügbaren Produkte und deren Preise.

Erreichen des Pareto-Optimums

Der Umstand das totaler Wettbewerb beides erreicht - Pareto-Optimum und effiziente Nutzung der verfügbaren Ressourcen - ist weithin anerkannt. Das Problem war immer das Erreichen der vier notwendigen Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen wurden als in der realen Welt unmöglich erreichbar angesehen. Es wurde auch unterstellt, dass in Anbetracht natürlicher Monopole und öffentlicher Dienstleistungen, totaler Wettbewerb nie Lösungen des Pareto-Optimums anbieten könne. Diese Einwände lieferten die Begründung für die Erschaffung und Aufrechterhaltung demokratischer und kommunistischer Regierungssysteme des 20. Jahrhunderts.

Die Einführung billiger Computer und Roboterfertigungstechnologie, leichter Zugang zu Informationsverarbeitung und unmittelbarer weltweiter Telekommunikation haben die technologische Möglichkeit geschaffen jede der vier Voraussetzungen zu erfüllen. Dies wurde frühestens im Jahr 2009 anerkannt und führte nach ersten Bedenken zum Neo-Anarchismus. Der Fall des Kommunismus 1989 und die stetige Aushöhlung der Regierungsgewalt bewies, das totaler Wettbewerb ein funktionsfähiger und natürlicher Zustand der Menschheit ist.

Das zweite Argument, das gegen ein System des totalen Wettbewerbs angeführt wird, sind natürliche Monopole. Effektive, natürliche Monopole nutzen Technologien mit fortlaufenden fallenden Grenzkosten. Je mehr produziert wird, desto geringer sind die Kosten pro Einheit. Also jeder Produzent, der fähig ist einen anderen zu überspringen, ist fähig seine Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Die übrigbleibende Firma kann dann monopolistische Preise verlangen - ein einschränkender und nicht-Pareto-Optimum Zustand.

Die Staatsgewalt wurde als Instrument erdacht, um die Bildung solcher Monopole zu verhindern. Im 19. und 20. Jahrundert kontrollierten Regierungen Kraftwerke, Fluglinien, Telefongesellschaften, Fernsehsender, Taxis und eine ganze Reihe anderer sogenannter natürlicher Monopole, alles im Namen des Erhalts des Pareto-Optimums. Aber das Pareto-Optimum wurde durch staatliche Regulierung nie erreicht: bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden viele dieser natürlichen Monopole dereguliert. Die Schwarzseher prangerten diese Entwicklung an, aber ihre Befürchtungen trafen nie ein. Die derzeit verfügbaren verbesserten Produktionstechniken behindern jede Industrie und jedes Gewerbe daran ein natürliches Monopol zu erreichen.

Das letzte Argument, das für eine staatliche Kontrolle der Wirtschaft spricht, sind öffentliche Güter und das Trittbrettfahrer-Problem. Öffentliche Güter sind Güter und Dienstleistungen, die nicht auf die Individuen beschränkt werden, die dafür bezahlen können. Die Güter einem Individuum anzubieten heißt es allen anzubieten. Straßen, Straßenbeleuchtung, Abwasserentsorgung, Landesverteidigung, alle fallen unter öffentliche Güter. Das Problem mit öffentlichen Gütern ist, dass niemand dafür bezahlen will; jeder will einen Freifahrtschein und andere für die Dienstleistung bezahlen lassen. Das ist der Grund für Steuern. Steuern zwingen die Leute für öffentliche Dienstleistungen zu bezahlen, nach Graden, die nicht dem Nutzwert der jeweiligen Dienstleistung entsprechen.

Aber Steuern sind nicht notwendig. Viele sogenannte öffentliche Güter können auf Basis freier Benutzung angeboten werden. Andere öffentliche Güter, wie Erziehungswesen, können von einem einfachen System finanziert werden, in dem jedes Individuum soviel bezahlt, wie ihm die Dienstleistung nach seiner Auffassung wert ist. Nachdem Leute über die Notwendigkeit eines Projektes abgestimmt haben, werden die Kosten dafür ermittelt. Die Leute entscheiden dann wie viel sie bereit sind für das Projekt zu spenden. Der Gesamtbetrag der Zusicherung wird bekannt gegeben. Eine zweite Abstimmungsrunde wird abgehalten und die Wähler sind gefragt erneut Spenden zuzusichern. Wenn am Ende einer dritten Runde die Zusicherungen die geschätzten Kosten des Projektes nicht decken, ist das Projekt abgelehnt. Ein interessantes Phänomen tritt ein, wenn dieses System genutzt wird. In der ersten Runde sind die Zusicherungen gewöhnlich niedrig, da jedes Individuum hofft einen Freifahrtschein zu bekommen. In der zweiten und dritten Runde erkennen die Leute, dass das Projekt möglicherweise abgelehnt wird, wenn die Förderung nicht ausreicht und so sichern sie höhere Spenden zu, da sie darüber nachdenken, was das Projekt ihnen wirklich wert ist. Auch negative Zusicherungen (z.B. wenn ein Individuum bei ein erfolgreichen Entscheidung eines Projektes eine Entschädigung wünscht, weil das Projekt es in irgendeiner Weise beeinträchtigt) können erlaubt sein. Jede öffentliche Arbeit kann so Erfolg haben. Auf diese Weise können zwingende Steuern in einer neo-anarchistischen Gesellschaft abgeschafft werden.

Abgrenzung zu anderen anarchistischen Strömungen

Der Neo-Anarchismus ist gegenüber anderen anarchistischen Theorien vergleichsweise jung. Insbesondere die Akzeptanz des freien Marktes und die Beibehaltung des Währungssystems grenzen den Neo-Anarchismus von anderen Formen ab.

Primitivisten

Die Primitivisten meiden die moderne Gesellschaft und ziehen sich in Siedlungen in verlassenen Regionen wie der Antarktis oder die Manitouländer zurück. Teilweise bewohnen sie sogar noch feindlichere Gebiete, wie verlassene Orbitalhabitate oder Wüsten. Zu den bekannstesten Vertretern der Primitivisten gehören die Pinkskins, Amerikaner kaukasischer Abstammung, die in den NAN neue Stämme gründeten.

Anarcho-Syndikalisten

Schwarze Katze - Symbol der Anarcho-Syndikalisten

Die Anarcho-Syndikalisten bilden die älteste Form der heute existierenden Anarchisten. Ihre Geschichte reicht weit zurück bis zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Ihre Blütezeit hatten sie während des spanischen Bürgerkriegs 1936 bis 1939, als sie zusammen mit Sozialisten und Kommunisten die republikanische Regierung bildeten. Syndikalisten vertreten das Ideal der Arbeiterorganisation. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt daher im Spektrum der Arbeiterschaft und in der Gründung von anarchistischen Gewerkschaften. Neben der direkten Aktion (Gewaltanwendung, Sabotage) gehört der Streik zu den wichtigsten Kampfmitteln der Syndikalisten. Große Erfolge erzielten sie damit in Spanien, Großbritannien, den CAS und Malaysia. Sie arbeiten oft mit anderen Konzerngegnern wie Attack! und Equity zusammen.

Die Symbole der Anarcho-Syndikalisten sind die schwarz-rote Flagge, bzw. der schwarz-rote Stern, die schwarze Katze oder auch der Holzschuh (als Symbol für die Anwendung von Sabotage).

Techno-Anarchisten

Aus der frühen Hacker-Generation des damaligen Internets entwickelte sich der sogenannte Techno-Anarchismus (auch anarchistischer Transhumanismus oder scherzhaft "kleingeschriebener" Anarchismus). Als Gegenthese zum Primitivismus versteht der Techno-Anarchismus die Technologie als Befreiung von der Begrenztheit der menschlichen Natur.

Ihr Tätigkeitsfeld liegt damals wie heute in der digitalen Welt. Große Erfolge erzielten sie bislang im Bereich OpenSource und CopyLeft und großangelegten medienwirksamen Hacking-Aktionen, oft in Zusammenarbeit mit anderen Konzernfeindlichen Organisationen wie Attack! und Equity. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Verschlüsselung zum Schutz der Meinungs- und Handelsfreiheit.

Das Symbol der Technoanarchisten ist das At-Zeichen (@). Es stellt eine Symbiose aus Informationstechnologie, dem klassischen eingekreisten 'A' und der scherzhaften Bezeichnung des "kleingeschriebenen" Anarchismus dar.

Kritik

Trotz der sonst unter Neo-Anarchisten geltenden Toleranz gegenüber anderen Minderheiten, rief, in Folge der weltweiten Progrome gegen Technomancer, der Münchener neo-anarchistische Piratensender Jolly Roger öffentlich zur Jagd auf sie auf.

Vertreter

Organisationen

Parteien

Shadowtalk Pfeil.png Anarcho un' Partei... das is ein Parado...para... das is 'n Widerspruch in sich. Wolln nich beherrscht werden aber selbst andern vorschreibn wolln wo's lang geht.
Shadowtalk Pfeil.png Einar von Dänen

Policlubs und andere Bewegungen

Staaten


Quellenindex

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Weblinks