Cybergliedmaßen

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Cybergliedmaßen
Typ: Cyberware

Cybergliedmaßen (engl. Cyberlimbs) beschreibt alle Formen von Cyberware-Ersatzgliedern - Cyberarme, Cyberbeine, Cybertorsos und Cyberschädel, auch wenn diese keine Gliedmaßen sind. Ebenso erfasst diese Kategorie ihre partiellen Formen (Cyberhände, Cyberfüße, partielle Cyberschädel, Cyberkiefer), und exotischere Formen des Cyberersatzes statt Beinen.

Geschichte

Einfache, primitive Prothesen sind seit dem alten Ägypten bekannt. Bis in die 2010er wurden diese nur wenig verbessert - sie waren immer offensichtlich und immer ungesteuerte, tote Krücken.[1] In den 2010ern entwickelten sie sich mit neuen technologischen Möglichkeiten rapide, und bewegte und funkgesteuerte Prothesen entstanden.[2]

Die erste echte, fest verankerte und voll funktionsfähige Cybergliedmaße, eine Cyberhand, wurde 2019 in Edinburgh von Transys Neuronet erfolgreich der italienischen Violinistin Leonora Bartoli als Ersatz für ihre bei einem Unfall verlorene Hand implantiert.[3]

Seitdem haben sich Cybergliedmaßen rapide von ihrem ursprünglichen Zweck als Prothese fortentwickelt. In den 2050ern wurden erstmals mehr Cybergliedmaßen auf Wunsch transplantiert, als als Prothesen. Und auch wenn sie, wie alle Cyberware, in den 2060ern gegenüber Bioware und geklonten Ersatzgliedern an Boden verloren, ihre Vielseitigkeit stellt sicher, dass sie so schnell nicht mehr verschwinden werden.

Vorteile

Ursprünglich als Prothesen für den Ersatz verlorener, verstümmelter oder fehlentwickelter Gliedmaßen konzipiert, werden sie heute oft auch zur Aufwertung der persönlichen Fähigkeiten als Ersatz für biologische Glieder transplantiert. Cybergliedmaßen ermöglichen eine deutliche Steigerung von Körperkraft und Bewegungsgeschwindigkeit, sind robuster als natürliche Körperteile, und dienen als Plattform für den Einbau weiterer Cybermodule. Vor allem ihre Modularität und die durch Cyberware möglichen einzigartigen Funktionen machen das Einsetzen von Cybergliedmaßen ohne medizinische Indikation für Manche zu einer bedenkenswerten Entscheidung. Viele Shadowrunner, namentlich Straßensamurai und Messerklauen, scheuen sich nicht, gesunde Gliedmaßen entfernen zu lassen, um stärker und zäher zu werden. Aber auch in anderen körperlich beanspruchenden Berufen werden Cybergliedmaßen bewusst genutzt, vor allem in der Baubranche, in Berufen unter Extrembedingungen (Tiefseetauchen, Weltraumeinsätze), und natürlich im Militär- und Sicherheitsbereich.

Nachteile

Das Ersetzen funktionsfähiger, körpereigener Gliedmaßen durch Cybergliedmaßen aus Metall, Plastkeramik, Glasfaserkabeln und Kunstmuskeln kostet (Meta)menschen Essenz und stört die spirituelle Integrität eines Individuums in erheblichem Maße. Zudem stößt wenig Cyberware auf so viel Widerwillen wie Cybergliedmaßen, die offenkundig künstlich sind. Solche Reaktionen können die Entfremdung von Normalmenschen beschleunigen und sind beim Entstehen einer Cyberpsychose ein wichtiger Faktor. Synthetische Cybergliedmaßen, die die Natürlichen in Aussehen und Form imitieren, und daher deren Akzeptanz bei den Mitmetamenschen steigern, sind allerdings, bedingt durch diese Beschränkung, erheblich weniger modifizier- und aufrüstbar. Der Eingriff wird nicht weniger invasiv, wenn die Gliedmaßen mit Synthskin oder im Bottich gezüchtetem Bindegewebe und Haut verkleidet sind. Dadurch wirken Cyberarme lediglich natürlicher auf den normalen Bürger der Sechsten Welt.

Neben den üblichen Anpassungsproblemen, die alle größeren Augmentierungen begleiten, tritt bei Cybergliedmaßen aller Art noch ein anderes Phänomen auf: Phantomglieder. Amputationen sind seit jeher Bekannt dafür, diese neuralen Echos (manche Magier bezeichnen sie auch als "Erinnerungen der Aura") hervorzurufen. In Kombination mit Cybergliedmaßen gewinnen sie aber erheblich an Problematik, denn hier stört nicht nur die Erinnerung an einst vorhandene Körperteile, hier überlagert sich dieser Effekt mit dem Cyberglied. Das kann zu ungewollten Ansteuerungen oder Fehlern in der Körperwahrnehmung führen, wenn man etwa meint, der Arm sei in einer Position, der Cyberarm aber tatsächlich in in einer anderen Position ist. vor allem in Kombination mit in die Gliedmaße integrierten Cyberwaffe kann das fatale Folgen haben.

Typen von Cybergliedmaßen

Cybergliedmaße ist nicht gleich Cybergliedmaße. Analog zu den biologischen Körperregionen, die sie ersetzen, werden Cybergliedmaßen in Cyberarme, Cyberbeine, Cyberschädel und Cybertorsos unterteilt, die jeweils funktional unterschiedlich sind, und daher auch unterschiedliche Möglichkeiten der Augmentierung haben.

Cyberarme

Die üblichsten freiwillig erworbenen Ersatzgliedmaßen sind Cyberarme. Mit ausreichend Raum, um sie erheblich aufwerten zu können, vielen Designermodellen, die für spezielle Aufgaben konzipiert wurden, und einem in fünf Jahrzehnten entwickelten Baukastensystem und diversen modularen Extras, sind Cyberarme sehr flexibel und aufgrund ihrer Sichtbarkeit fast schon ein Synonym für Cyberware als solche.

Mehr zu Cyberarmen im entsprechenden Artikel.

Cyberbeine

Cyberbeine sind, wenn das überhaupt möglich ist, noch vielseitiger als Cyberarme. Sie haben mehr potentiellen Stauraum, können daher mehr modulare Anpassungen aufnehmen, haben einige zusätzliche Optionen wie Fußanker, und können sigar komplett durch eine andere fortbewegungsmethode wie Rad- oder Kettenantrieb, oder einen fundamental unmenschlichen Unterkörper ersetzt werden.

Mehr zu Cyberbeinen im entsprechenden Artikel.

Cyberschädel und Cybertorsos

Ein wenig überraschend, da weder Schädel noch Torsos Gliedmaßen im eigentlichen Sinne sind, werden diese Cyberware-Augmentierungen dennoch in diese Kategorie gezählt, weil sie ebenso wie Cybergliedmaßen große Teile des Körpers ersetzen und die verwendete Technologie ähnlich ist. Anders als bei Cyberarmen und Cyberbeinen müssen sie zudem allerdings Organe und Augmentierungen, die sonst in diesen Körperregionen untergebracht wären, ebenfalls beherbergen können.[4]

Mehr zu Cyberschädeln und Cybertorsos im entsprechenden Artikel.

Synthetisch oder Offensichtlich

Cybergliedmaßen können entweder synthetisch oder offensichtlich sein.

Offensichtliche Cybergliedmaßen sind auf den ersten Blick als elektromechanische Cyberware zu erkennen, wenn sie nicht mit Kleidung bedeckt werden. Sie werden oft mit Chromfinish oder mattmetallic-Lackierung ausgeliefert, und geben sich keinerlei Mühe, ihre Künstlichkeit zu verhehlen. Manche Träger lieben sie genau dafür, diese Offensichtlichkeit und künstliche Fremdartigkeit. Andere fühlen sich genau davon abgestoßen. In manchen Kreisen, speziell in der Oberschicht und unter Körperpuristen, aber auch in vielen Gegenden der Welt, kann das zu sozialen Problemen führen.

Synthetische Cybergliedmaßen sind mit Synthskin oder laborgezogener Haut und Bindegewebe (je nach Qualität) getarnt, um bestmöglich als natürliche Gliedmaßen durchzugehen. Bei Berührung fällt allerdings schnell auf, dass sie sich anders anfühlen, dass unter der Haut keine Muskeln, sondern Kunstmuskeln und Mechanik arbeiten.

Normale Synthskin sieht zwar echt aus, ist aber bei der ersten Berührung leicht als künstlich zu erkennen. Synthskin ist weniger flexibel als echte Haut und zudem meist kühler. Außerdem bräunt sie nicht mit der Haut mit, hat keine Selbstheilungsfähigkeit bei den kleinen Kratzern, die Haut immer mal ertragen muss, und keine regenerierende Körperbehaarung.

Glücklicherweise gibt es auch bessere Produkte. Getrieben von der Entwicklung lebensähnlicher, bionischer Drohnen, hat sich die Synthskintechnologie in den 2070ern erheblich verbessert.[5] Diese moderne Synthskin (die mit künstlichem Bindegewebe unterfüttert ist, damit die Haut sich natürlicher anfühlt) kann Körpertemperatur halten, schwitzen und sogar ein bisschen bluten, wenn sie gekratzt wird (sie muss aber immer noch von Hand geflickt werden). Spinrad Industries und seine Fleshtastic-Cybergliedmaßen sind momentan in diesem Bereich das Maß der Dinge.[6]

Anpassungen, Optimierungen und Upgrades

Cybergliedmaßen gibt es vom Werk aus in verschiedenen Größen und Stärken, für alle Metarassen und Geschlechter. Aber Metamenschen sind unterschiedlicher, und daher lassen sich die meisten Modelle mit kleinen Umbauten an die spezifischen Werte des Empfängers anpassen. Natürlich nicht kostenlos. Diese Form der Anpassung ist vor dem Kauf und der Installation solch eines Cyberglieds möglich, aber nicht danach.

Größenmodifikation

Cybergliedmaßen müssen nicht zwingend dem menschlichen oder metamenschlichen Körperbau entsprechen. Sie können stärker, schneller oder gelenkiger sein, Gelenke an ungewöhnlichen Positionen haben, oder komplett vom Metamenschlichen Bauplan abweichen.

Recht üblich ist beispielsweise Cyberware in Übergrößen - extra massive Gliedmaßen, die die körpereigenen verzwergt wirken lassen. Diese Modifikation - aus nahe liegenden Gründen keine Option, wenn man syntehtische Cyberglieder möchte - schafft viel Raum für zusätzliche Einbauten, auf Kosten nötiger Anpassungen der Kleidung und eines ästhetisch unausgewogenen Gesamteindrucks, wenn die Gliedmaßen nicht in Paaren bestellt werden. Auch Cybertorsos und Cyberschädel können in Übergröße erworben werden.

Modulare Cybergliedmaßen

Eine weitere, übliche Modifikation sind modular konstruierte Cybergliedmaßen, bei denen um ein Kernskelett modular standardisiert Komponenten eingefügt und die ganz oder in Teilen ausgewechselt werden können. Diese Cyberglieder werden üblicherweise am Körper mit einem Universal Cyberware Connector Plug (UCCP) montiert, was es erlaubt, die Cybergliedmaße einfach abzunehmen und wieder anzubringen (oder eine andere Gliedmaße anzubringen). Neben der hilfreichen Möglichkeit, Backupgliedmaßen zu haben, können so auch spezielle Werkzeuggliedmaßen angebracht werden.

Auch kleinere Teilkomponenten der Cyberware - etwa die Hände, Unterschenkel und Füße, oder auch modulare Plug-ins können so ausgetauscht werden. Man kann sowohl offensichtliche wie auch synthetische Cybergliedmaßen modular gestalten.

Optimierte Cybergliedmaßen

Die meisten Cybergliedmaßen sind, wie biologische Gliedmaßen, als Allzweckwerkzeug für den täglichen Einsatz in einer Vielzahl von Aktionen konzipiert. Mit der breiteren Akzeptanz und einer wachsenden Augmentierungsindustrie sind aber auch andere Modelle mit spezialisierterem einsatzgebiet aufgekommen. Vor allem für Sport und Entertainment ist der Bedarf nach solchen Spezialgliedmaßen gewachsen, und so gibt es jetzt Modelle, die auf Werfen, Boxen, Rennen, Gitarrespielen und ähnliches optimiert sind. wie die die sehr sensible Feinmotorik einer Virtuoso-Cyberhand oder die speziell geformten Spin-X Olympian-Rennbeine sind.

Obwohl solche Spezialglieder zwar in einem bestimmten Feld besonders effektiv sind, muss man in anderen Anwendungen oft Abstriche hinnehmen, und in jedem Fall sind solche Glieder schwerer mit anderen Anpassungen auszustatten als Standardglieder, da ihre Form einer bestimmten Funktion folgt.

Upgrades

Cybergliedmaßen können eine Fülle von Upgrades und Einbauten aufnehmen. Selbst nicht-modulare haben eine Reihe von Möglichkeiten. Von integrierten Medkits über feinmechanisches Mikrowerkzeug, einen integrierten Scanner, ein Magnetsystem oder einen Schweißlaser. Darüber hinaus können auch Enterhaken-Kanonen samt Seilwinde oder ein Gyrostabilisator in eine Cybergliedmaße integriert werden.

Auch andere Modifikationen sind möglich, etwa die Füße von Cyberbeinen mit ausfahrbahren Cyberskates oder mit eingebauten Skimmerscheiben zu versehen, mit denen sich ihr Besitzer schwebend statt laufend bewegen kann, während Fußanker, ausfahrbare Kletterklauen oder an verschiedenen Positionen installierbare Sporne als Extra für Cyberarme und Cyberbeine bereits in den 2050ern verfügbar waren. Und mit der Drohnenhand existiert sogar eine Cyberhand, die von ihrem Gelenk getrennt von ihrem riggenden Besitzer als Drohne ferngesteuert werden kann.

Zudem kann viele konventionelle Cyberware in Cybergliedmaßen intergiert werden. Das beginnt bei Datenbuchsen und Kommlinks, über eingebaute Nah- wie Nagelmesser und Sporne, und Fernkampfwaffen wie Taser und Pistolen bis hin zu Headware wie Orientierungssystemen, Aufmerksamkeits-Koprozessoren und anderer Cyberware, die so ohne zusätzlichen Essenzverlust in einem Cyberarm Platz finden.

Cybergliedmaßensysteme

Es gibt einzelne Modelle, und dann gibt es aufeinander abgestimmte Sets von Cybergliedmaßen, bis hin zu einem kompletten Ersatzkörper. Solche Komplettsysteme sind oft auf eine bestimmte Aufgabe optmiert, für die sie besonders gut nutzbar sind.

Evo Atlantean Cyberlimbs
Das erste Set optimierter Cybergliedmaßen, das Arme und Beine umfasst und sie für Schwimmen optimiert.
Evo Freak
Dieses Cybersystem hat keinen einheitlichen Look. Der Käufer wählt ein "freakiges" Aussehen aus einer großen Auswahl von Echsenmenschen, anthropomorphen Tieren und Filmmonstern, und alle Cybergliedmaßen werden diesem Aussehen angepasst. Die Freak-Modelle ersetzen allerdings weder Torso noch komplette Schädel.[7]
Evo InHuman
Dieses Cybersystem hat keinen einheitlichen Look. Der Käufer wählt ein "unmenschliches" Aussehen aus einer großen Auswahl von Echsenmenschen anthropomorphen Tieren und Filmmonstern, und alle Cybergliedmaßen werden diesem Aussehen angepasst. Aber wo die 'freak'-Linie beim grundlegenden metamenschlichen Bauplan bleibt, sind hier noch drastischere Anpassungen möglich, angefangen bei zum anthropomorphen Tier passenden Cyberschädeln und Torsos bis hin zu Centaurenunterkörpern mit acht Beinen, Tentakelarmen oder Kettenlaufwerken in Kombination mit Waffenaufsätzen statt Händen.[7]
Evo ModBod
Ein System modularer Cybergliedmaßen, die schlussendlich zu einem Set modularer Cyberkomponenten gehören sollen, die in der Lage sein sollen, einen Körper vollkommen zu ersetzen. Das neue und modernste Cybersystem des Jahres 2072, beworben von Paye Tzanev, Deutschlands bekanntester Transhumanistin.
NeoNET Unique
Eine Marke für Cybergliedmaßen, deren Casing der User selbst designen oder von einem erfahrenen Designer entwerfen lassen kann.
SpIn-X Fleshtastic
Eine Betawaremarke für Cybergliedmaßen aller Art, die nur schwer von echten Gliedmaßen unterscheidbar sind.
'SpIn-X NeverRest
Ein Set von Cybergliedmaßen, die sowohl Arme wie Beine umfassen, und mit dünnen Fingern und Zehen sowie einem kräftigen Griff ideal für Freeclimbing geeignet sind.


Endnoten

Quellenangabe

Quellenindex

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Weblinks