Schädelbombe

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Schädelbombe
Typ: Headware[1]
Verfügbar seit: 2020er[2]
Preisniveau: 10.000 bis 500.000 Nuyen[3]
Legalität: Illegal[1]
Eingriffsintensität: Gering[1]

Die Schädelbombe,[4] gerne (und etwas irreführend) als Cortexbombe bezeichnet,[2] ist eine illegale Cyberware-Augmentierung und zählt zur Headware.[3]

Funktion

Obwohl dieses Implantat zum grössten Teil dazu verwendet wird, andere Leute zu erpressen[4] und dem Träger normalerweise unfreiwillig (oder zumindest ohne dessen Wissen im Rahmen einer anderen Implantation[5]) eingesetzt wurde, gibt es einzelne Personenkreise, die eine Schädelbombe freiwillig tragen - üblicherweise Fanatiker, wie die Angehörigen von Chimera.[6]

Die meisten Cortexbomben sind mit Sprengfallen und Notauslösern versehen, die verhindern sollen, dass sie einfach wieder entfernt werden können.[3]Die entsprechende Entschärfung ist allerdings auch nicht übermäßig schwer[7] und kann von vielen ausgebildeten Cybertechnikern recht routiniert durchgeführt werden.[8] Cortexbomben verwenden aufgrund der geringen Größe, die sie haben müssen, spezielle, Fuergele genannte Sprengstoffe.[9] Manche dieser Gele sind nur ausgesprochen schwer von Cyberwarescannern erkennbar, da sie sich bei allen üblichen Methoden wie Biomasse verhalten.[10]

Der Auslöser ist unterschiedlich und kann ein Timer sein, ein Funkempfänger,[9] oder ein Geopositionsorter, der prüft, ob ein vordefiniertes Gebiet verlassen wurde.[11] Eine komplexere, aber ebenso mögliche Form des Auslösers ist ein spezielles DNI-Interface, das überwacht, ob der Träger eine bestimmte Sache wahrnimmt, oder etwas bestimmtes tut - oder denkt.[8] Üblicherweise haben Schädelbomben aber keinerlei DNI-Interface, um weniger anfällig für Manipulationen zu sein.[12]

Typen

Schädelbomben werden in drei verschiedenen Größen eingesetzt. Jede Variante hat dabei eine eigene Funktion, von der gezielten Zerstörung von Headware oder Hirnarealen bis hin zu einer Flächeneplosion wie bei einem Selbstmordattentat.[1]

Spleenbomben oder Kinkbomben

Diese Variante ist extrem klein. Die Wirkung ist entsprechend minimal. Aber an einem anderen anderem Headware-Implantat angebracht kann es dieses zerstören. Eine Spleenbombe wird manchmal auch in Cybergliedmaßen eingesetzt, um bei Auslösung deren Komponenten unbrauchbar zu machen. Sie kann allerdings auch das Hirn schädigen, um so gezielt Hirnzentren auszuschalten, und Blindheit, Stottern, Gehörverlust oder andere Behinderungen hervorzurufen. Natürlich können drastischere Auswirkungen nie ausgeschlossen werden, wenn man Sprengstoff im Gehirn zündet.[1] So wird manchmal verhindert, dass einem Angestellten zur Verfügung gestellte, besonders wertvolle Cyberware (oftmals SOTA-Prototypen) ohne Genehmigung manipuliert oder entfernt wird.[13]

Datenkurieren werden Spleenbomben z.B. an die Headware Memory angebracht. Wird der Kurier abgefangen, wird der Speicher durch die Explosion vernichtet, ohne den Kurier zu töten.

Auch Cybergliedmaßen werden gerne als Träger von Spleenbomben missbraucht. Da es sich bei ihnen um teure und oft maßgefertigte Augmentierungen handelt, ist eine Bedrohung ihrer Funktionalität oft ausreichend als Druckmittel.[2]

Eine tatsächliche Cortexbombe ist eine Variante dieses Typs; hierbei wird die Sprengladung so angebracht, dass sie wichtige Blutgefäße zerstört, und so eine tödliche Hirnblutung gezielt bei Detonation ausgelöst wird.[10]

Mikrobombe

Eine Mikrobombe ist darauf ausgelegt, nur den Träger zu töten. Der Knall ist für Umstehende hörbar, eventuell wird man auch durch austretende Hirnmasse getroffen.[10] Historisch ist dies die älteste Anwendung, entwickelt in den 2020ern, um Konzern-Datenkuriere zu töten, bevor die in ihrer Headware gespeicherten Daten kompromittiert wurden. Sowohl aufgrund der üblichen Lage von Datenspeicher-Implantaten, wie auch, weil Hirnchirurgie in den 2020ern noch eine ziemlich kniffelige Sache war anders als in den 2070ern, ergab sich schnell der populäre, wenn auch inzwischen überholte Begriff der "Cortexbombe".[2]

Mikrobomben müssen aber nicht im Schädel untergebracht werden, auch wenn dies medial die verbreitetste Darstellung ist. Sie sind genauso tödlich, wenn sie entlang der Wirbelsäule, nahe dem Herzen, einer wichtigen Schlagader, oder an der Bauchspeicheldrüse.[2]

Flächenbombe

Die größte Variante der Schädelbombe tötet nicht nur den Träger, sondern ist auch darauf ausgelegt, in der Nähe befindliche Personen zu verletzen oder zu töten. Sie sind in verschiedenen Sprengstärken verfügbar;[10] übliche Modelle haben einen Explosionsradius vergleichbar mit einer Splittergranate.[1] Auf den Straßen wird sie auch als Crainal Nuke bezeichnet.[10]

Diese Form der implantierten Bombe ist beliebt bei Terror-Organisationen. Große Versionen reichen aus, um ein Flugzeug stark genug zu beschädigen, dass es abstürzt.[14]

Jäger/Sucher-Bomben

Diese sehr seltene Form der Schädelbombe ist die beunruhigenste, aber auch die seltenste. Auf der Basis eines Mikrodrohnenchassis wird ein Sprengsatz montiert, der dann über eine Injektionspistole oder einen Cyber-Injektor in den Körper eines Opfers gebracht wird. Hier angekommen, nutzt die Bombe Sensoren, um sich zu orientieren und ein großes Blutgefäß zu suchen, in dem sie dann ins Gehirn reist. Glücklicherweise sind diese Drohnen zu Empfindlich, um über Schuss- oder Projektilwaffen übertragen zu werden; zudem sind die Kosten ausgesprochen hoch.[15]

Verwendung

Schädelbomben sind eine beliebte Methode, Personen unter Kontrolle zu halten, die gerne auch von diktatorischeren Staaten verwendet wird, oder von Konzernen oder Gefängnisbetreibern. Auch manche Terrororganisationen und Banden nutzen Cortexbomben, um zu verhindern, dass ihre Angehörigen bei Gefangennahme reden - ein erhebliches Problem für ermittelnde Behörden und Polizeikonzerne.[16] cortexbomben sind eine universell geächtete Technologie. Leider verhindert das nicht, dass sie nach wie vor verwendet werden.[17] Neben der offensichtlichen Bedrohung für ihre Opfer sind Cortexbomben auch eine große terroristische Bedrohung,[14] und eine Gefahr für jeden Gerichtsmediziner und Forensiker.[18]

Verwendung durch Untergrundorganisationen

Die Vorstellung, nach einer Operation beim Straßendoc mit einer unerwarteten Schädelbombe aufzuwachen, gehört zu den beliebtesten Urban Legends der Sprawls der Sechsten Welt, ist aber durchaus in der Realität begründet.[19] Wenn auch längst nicht die Regel, kann so etwas durchaus vorkommen, was für den Betroffenen meist extrem unangenehm ist.[20] Oft steht dahinter ein Syndikat oder eine Gang, die ein Druckmittel gegen den Betroffenen gesucht hat. Speziell die Yakuza ist berüchtigt dafür, Straßenpunks, denen sie zu günstigen Konditionen Cyberware zur Verfügung stellt, so bedingungslose Loyalität abzupressen.[21]

Übliche Träger in kriminellen Umgebungen sind beliebte Darsteller in BTLs, deren Darsteller eine teils legitimen SimSinn-Schauspielern ähnliche Fangemeinschaft haben, und die so vor Extraktionen durch rivalisierende Syndikate oder Verhaftung und Verhör durch die Polizei geschützt werden sollen.[22] Die Yakuza setzt solche Bomben auch ein, um ihre wertvolleren Callgirls gefügig zu halten.[23]

Auch Serienmörder wie Charlie Wire nutzen Schädelbomben, um ihre Opfer zu gefügigen Werkzeugen ihres Wahns zu machen, und dann zu entsorgen.[24]

Verwendung durch Konzerne

Auch wenn auf den Straßen die Vorstellung der in Konzern-Cyberkliniken überraschend mit implantierten Schädelbomben am weitesten verbreitet ist (und durchaus vorkommen kann[25]), nutzen Konzerne solche Bomben eigentlich meist anders.[26]

Primär ist da die Sicherung des eigenen Wissens und der eigenen Humanressourcen - sehr wertvolle Lohnsklaven werden oft mit Cortexbomben ausgestattet,[2] sowohl, um ihre Loyalität zu sichern, als auch, um die Gefahr von Extraktionen durch Konkurrenten zu verringern. Ebenso werden Elite-Sicherheitskräfte oft mit Mikrobomben ausgestattet, um zu verhindern, dass sie gefangen genommen werden und Geheimnisse verraten. Insbesondere Japanokons,[27] aber auch Aztechnology,[28] nutzen diese Methoden.

Ähnlich verwenden auch Megakonzerne gerne Schädelbomben, um Konzernbürger auch hart zu bestrafen, aber auf die Einrichtung von Gefängnissen zu verzichten - und so Zwangsarbeit und Gebietsbeschränkung durchzusetzen.[29] Auch gefangene Agenten und Shadowrunner werden so gerne nach Aburteilung durch den Konzern gewinnbringend beschäftigt.[30] Manche Konzerne (wie Lone Star) zwingen so auch insbesondere gefangene Mager in ihren Dienst, was allerdings oft eher suboptimale Ergebnisse erbringt.[31]

Auch bei Wachtieren, Cyberformen und ähnlichen Schöpfungen dunkler Cberlabors werden Schädelbomben gerne eingesetzt um einen Notschalter zu haben, falls das eigene Geschöpf unkontrollierbar wird.[32] NeoNET war zudem dafür bekannt, zu versuchen, Monaden mit Cortexbomben zu kontrollieren.[33] Vor allem MCT ist zudem dafür bekannt gefangene Technomancer mit abgeschirmten Schädelbomben gefügig zu machen.[34]

Verwendung durch Regierungen

Auch die Regierung der UCAS nutzt Cortexbomben, um dafür zu sorgen, dass Häftlinge wie Magier, die ihre Haft als Dienst am Staat verrichten und den Bundesbehörden ihr Talent zur Verfügung stellen.[35] Insbesondere der CIA ist hierfür berüchtigt,[36] aber auch das UCAS-Militär verwendet Schädelbomben recht gerne.[37]

Tír na nÓgs TRC nutzte bis zu den Reformen Niall McGuinness' 2073 sogar die Implantation einer Cortexbombe für alle nicht-elfischen, aus dem Tír stammenden Agenten, um deren Fügsamkeit zu sichern - was dem Tír keine guten Dienste bei seiner Auslandsaufklärung leistete.[38]

Die Regierung der Zulu Nation nutzt Cortexbomben ebenfalls, um Agenten - oft verurteilte Kriminelle - im Ausland zu führen, ohne dass diese abtrünnig werden, wie den Anführer der Isangoma, einer verdeckt für die afrikansiche Elfennation agierende Piratengruppe.[39]

Die institutionalisierte Sklaverei ("Zwangsdienst") in Tsimshian wurde mittels implantierter Schädelbomben durchgesetzt, wobei sowohl dem Besitzer des Sträflings ein Auslöser zur Verfügung gestellt wurde, als auch per GPS-Ortung eine Gebietsbeschränkung auferlegt wurde, außerhalb der die Bombe auslöst.[11]


Endnoten

Quellenangabe

Index

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Weblinks